Zugversuch klärt auf: War die Rohrleitung zu alt?

Eine Rohrleitung aus PVC war gebrochen

In einem Industriebetrieb war es nach Wartungsarbeiten zu einem Bruch einer aus PVC bestehenden Wasserleitung gekommen. Diese Wasserleitung war mit PN10 spezifiziert, war also ausgelegt für einen Druck von 10 bar. Da der Betriebsdruck nur bei 3 bar lag, vermutete man eine fortgeschrittene Alterung der Rohrleitung, so dass diese dem Betriebsdruck nicht mehr Stand gehalten haben soll.

Das war für die Gutachter des Sachverständigenbüros Dr. Hövelmann & Rinsche nicht glaubhaft

Nachdem die Situation vor Ort aufgeschlüsselt worden war, war die angebliche Schadensursache für die Gutachter des Sachverständigenbüros Dr. Hövelmann & Rinsche nicht recht glaubhaft und zu schnell geschossen. Aus diesem Grund wurde ein Stück aus der Rohrleitung entnommen und näher untersucht. Aus dem Rohrstück wurden Prüfkörper angefertigt. Und diese Prüfkörper wurden jeweils einem Zugversuch ausgesetzt.

Der Zugversuch: eine Prüfmethode aus der Werkstoffkunde

Bei einem Zugversuch – eine aus der Werkstoffkunde bekannte Prüfmethode – werden die zu untersuchenden Prüfkörper in eine Zugprüfmaschine eingespannt. Hiernach zieht die Maschine die jeweilige Probe gleichmäßig auseinander. Dabei werden Kraft und Längenänderung kontinuierlich gemessen. Der Versuch endet mit dem Bruch der Probe. Als Kenngröße erhält man u.a. die Zugfestigkeit, die die maximale Spannung vor dem Bruch darstellt.

Das Ergebnis des Zugversuchs überraschte nicht

Zugversuch an einem Probestück aus PVCDie bei den im vorliegenden Fall durchgeführten Zugversuchen gewonnenen Zugfestigkeiten wurden auf Drücke umgerechnet mit dem Ergebnis, dass es eines Druckes von 55 bar bedurfte, um die Rohrleitung brechen zu lassen. Damit war die Rohrleitung mitnichten zu alt. Sie war vollkommen in Ordnung.

 

Was die Rohrleitung am Ende hat brechen lassen, muss ein Druckstoß gewesen sein. Am Ende konnte dann auch ermittelt werden, dass nach den Wartungsarbeiten versäumt wurde, eine Absperrklappe wieder zu öffnen. So pumpte eine Pumpe in eine geschlossene Rohrleitung und erzeugte so den Druckstoß. Mehr zur Entstehung und den Folgen von Druckstößen siehe hier: Schäden an Anlagen durch Druckstöße.

 

Der Fall hat den Gutachtern des Sachverständigenbüros Dr. Hövelmann & Rinsche wieder einmal gezeigt, dass man sich nicht mit halben Wahrheiten und einfach daher gesagten Behauptungen bei der Ermittlung von Schadensursachen zufrieden geben darf. Man muss schon etwas mehr ins Detail gehen um die Wahrheit ans Licht zu bringen.

 

Für Anfragen zur werkstoffkundlichen Begutachtung von Schäden besuchen Sie bitte die Website des Sachverständigen- und Gutachterbüros Dr. Hövelmann & Rinsche.